Die Nachkriegsjahre – Geschichten und Berichte aus der Zeit von 1945 bis 1952
Gemäß einer Abschrift des Protokolls der Wiedergründungsversammlung vom 10.11.1945, welches im Original erhalten geblieben ist, nahmen an der Sitzung im „Bayerischen Hof“ (Hiltl) folgende Personen teil:
Frey Johann, Roidl Georg, Wiesner Karl, Braun Ludwig, Braun Alois, Dietz Karl, Meier Josef, Kraus Anton, Bruckmüller Anton, Popp Josef und Wiesner Josef.
Ursprünglich war geplant, Herrn Josef Meier durch die Versammlung zum Vorsitzenden wählen zu lassen. Dies wurde aber durch die Statuten der amerikanischen Streitmächte verhindert. Die Versammlung wählte daraufhin Herrn Johann Frey zum 1. Vorsitzenden, Spielleiter wurde Herr Georg Roidl und Kassier Herr Anton Bruckmüller. Als Vereinsname wurde „Sportverein Eintracht Schmidmühlen“ festgelegt.
In der Mitgliedermeldung vom 14.03.1946 wurden 116 Erwachsene Mitglieder an den Bayerischen Landessportverband als zahlende Mitglieder gemeldet. Laut Spartenaufschlüsselung dürften es dennoch mehr gewesen sein, denn man meldete 28 Mitglieder vom Bereich Fußball, 47 aus dem Bereich Geräteturnen, 43 aus dem Bereich Leichtathletik, 18 aus dem Bereich Tischtennis und 22 aus dem Bereich Handball/Basketball.
Kaum hatte sich der Verein reorganisiert, teilte bereits das Finanzamt Schwandorf mit Schreiben vom 24.05.1946 mit, „dass die Einnahmen des Vereins der 3%igen Umsatzsteuer unterliegt und darum eine vierteljährliche Umsatzsteuermeldung zu erstellen ist“.
Wie hart die Zeit damals gewesen ist, zeigt auch ein Schreiben vom 28.05.1946 an das Sporthaus Klepper in Rosenheim, wo man gegen Vorlage eines Bezugsnachweises „22 Paar Fußballschuhe, 22 Stück Sporthemden, 2-3 Fußbälle und 10 Tischtennisbälle“ anforderte.
Um den Spielbetrieb aufnehmen zu können, brauchte man natürlich auch wieder einen Fußballplatz. Hierzu wandte sich der Bürgermeister des Marktes Schmidmühlen am 12.07.1946 mit einem Schreiben an den Landrat in Burglengenfeld:
„Im Marktbereich befindet sich die so genannte „Obere Mühlwiese“, von welcher ein Teil im vergangenen Jahren als Sportplatz verwendet wurde. Dieses Grundstück wurde vom Eigentümer Johann Hausmann, Pilsheim, an den Gast- und Landwirt, Johann Schmid, Schmidmühlen, verkauft. … Der Sportverein hat an die Gemeinde das Ansuchen gestellt, die Beschlagnahme des Grundstücks durch den Landrat erwirken zu wollen. Wie aus beiliegendem Gesuch zu ersehen ist, ist das Grundstück für ein Jahr von Herrn Schmid gepachtet. Nachdem die Gemeinde keinen sonstigen Platz in Schmidmühlen erwerben kann, hat der Gemeinderat beschlossen, dass zur Zeit vom Sportverein gepachtete Grundstück käuflich zu erwerben ….“
Damit war zumindest einstweilen ein Sportplatz für die Fußballer gesichert.
Mit Schreiben vom 16.07.1946 forderte der SV Eintracht Schmidmühlen beim Kreissportbeauftragten einige Spielerpässe an. Dies waren:
Nowak Wilhelm, Schröder Oskar, Meier Josef, Bruhn Ewald, Hummel Heinrich, Schneider Eduard, Wein Alfons, Wiesbeck Alfred, Molnar Ludwig, Kowaros Herbert, Koller Max, Dantl Max, Frank Willi, Wiesner Josef, Artmann Josef, Graf Johann, Holler Erwin und Segerer Josef.
Probleme bereitete den Vereinsverantwortlichen im Jahre 1946 die Anmeldung des Vereins. Neben einer Bestätigung über die Entnazifizierung und der Versicherung, auch in Zukunft keine Nazi-Aktivisten aufzunehmen, musste 1. Vorsitzender Leonhard Flierl, der am 01.04.1946 das Amt übernommen hatte, zahlreiche Bescheinigungen abgeben. Auch die erste Satzung wurde abgelehnt und musste neu gefasst werden. Bezeichnenderweise wies der Sportbeauftragte in einem Schreiben vom 16.08.1946 daraufhin, dass „vorerst noch keine Genehmigung oder Lizenz der Militärregierung für Bayern besteht. Lizenzen, die von der Militärregierung erstellt worden sind, haben keine Gültigkeit. Es ist lediglich ein stillschweigendes Dulden von Seiten der Besatzungsmacht, dass uns erlaubt, auf den Sportplätzen Sport zu betreiben.“ Des weiteren erläuterte er : „ Alle Vereine, die in der Zeit von 1933 bis 1945 ihre Tätigkeit ausübten sind Vereine des ehemaligen NSRL und gelten als aufgelöst. Das Vermögen unterliegt dem Gesetz Nr. 52 und somit der Beschlagnahme. Das gilt auch für Vereine, die sich wieder neu gegründet haben.“
Er forderte aus diesem Grund eine Aufstellung über das Vereinsvermögen des SV Eintracht Schmidmühlen, das sich nach einem Schreiben vom 08.11.1947 folgendermaßen zusammen setzte : 1450 RM Barvermögen, 1 gebrauchter Fußball, 5 Paar gebrauchte Fußballschuhe und 20 Sporthemden.
Erhalten werden konnte auch eine Tabelle vom 19.05.1946, bei welcher allerdings unsere Mannschaft den letzten Platz einnahm. Beeindruckend aber dabei, wohin man in dieser schwierigen Zeit, teils mit offenem LKW, teils mit der Bahn oder mit dem Fahrrad reisen musste. In der Liga spielten Burglengenfeld, Leonberg, Teublitz, Schwarzenfeld, Hirschau, Rosenberg, Ponholz, TuS Schwandorf, TuS Amberg II, Nabburg, FC Schwandorf II und Wackersdorf.
Als Beispiel mag hier eine Meldung vom 10.10.1947 dienen, in welcher die Strapazen beschrieben wurden:
„…Schmidmühlen liegt mitten in der Steinpfalz und von den anderen Sportvereinen sehr abgelegen. Nachdem Autos für Sportfahrten nicht mehr abgestellt werden dürfen, sind wir gezwungen, jeden 2. Sonntag früh 6 Uhr mit der Bahn wegzufahren und kommen erst abends gegen 20.00 Uhr zurück. Dass dies Schwierigkeiten gibt zumal die Jugend-Mannschaft jeweils das Vorspiel machen soll, dürfte klar zu erkennen sein. Außerdem haben wir durch diese Bahnfahrten erhöhte Auslagen, die unsere derzeitigen Einnahmen weit übersteigen. Den Fahrauslagen zu jedem auswärtigen Spiel 24x8RM = 192RM stehen rund 80 bis 110 RM Heimspieleinnahmen gegenüber…..“
Bereits im Winter 1947 hatte es in diesem Bereich Probleme gegeben. Es handelte sich dabei um das Verbandsspiel Schmidmühlen gegen Nabburg am 26.01.1947, als Nabburg nicht nach Schmidmühlen reiste. In der Meldung an den Bezirksspielleiter, Herrn Lauber, teilte unsere Vereinsführung unter anderem mit:
„Wie begründet die Mannschaft das Fernbleiben? Herr Schiedsrichter Herrmann aus Amberg pfiff das Spiel um 14.15 Uhr bei spielfähigem Platz an. Wir überzeugten uns sofort anhand des Barometers nach dem Kältestand und stellten 7 Grad unter Null fest. Dabei erwähne ich, dass Schmidmühlen das Spiel in Schwarzenfeld am 05.01. bei einer Kälte von 22 Grad austrug. Die Anfahrt der Spieler erfolgte dabei sogar in einem offenen Wagen…Durch die späte Absage und die Versteifung von Seiten der SpVgg Nabburg wegen der Kälte dürfen wir vielleicht damit begründen, dass unsere Spieler, welche 7 km mit dem Fahrrad fahren mussten, anwesend waren.“
Interessant sicherlich auch noch der Ablauf der Weihnachtsfeier unseres Vereins am 22.12.1946 ½ 8 Uhr im Gasthaus Anton Espach, von welcher noch die Einladung an den damaligen Burglengenfelder Landrat erhalten ist:
Kurze Ansprache
Chor: Hohe Nacht der klaren Sterne
Gedicht: Hab Sonne im Herzen
Spiel: Die Drei Spinnerinnen
Lied: O Tannebaum
Spiel: Heilige Nacht
Chor: Wiegenlied
Lied: Stille Nacht
Ansonsten lässt sich zum Vereinsjahre 1946 nur noch sagen, dass die Schmidmühlener Mannschaft und ihre Fans nicht gerade durch Zimperlichkeit weit bekannt wurde. Da zahlreiche dieser Vorkommnisse durch Stellungnahmen erhalten blieben, sollen hier auch ein paar wenige dieser Geschichten im Originaltext wiedergegeben werden:
02.06.1946 Verbandsspiel 1. Mannschaft Schmidmühlen-Schwandorf
„….Beim Mannschaftsspiel wurde nach 10 Minuten Spielverlauf von unserem Rechtsaussen dem linken Mittelläufer der Gästemannschaft ein Bein gestellt. Daraufhin benützte derselbe die nächste Berührung mit unserem Spieler, demselben von hinten in den Rücken zu treten mit der Bemerkung: Mit Bauernbuben soll man halt nicht Fußball spielen. Das dadurch unser Spieler in Wut geriet ist wohl verständlich und er gab dieser Ausdruck, dass er dem Schwandorfer Spieler gegen das Knie trat. Da sich der Vorfall direkt an der Aussenlinie abspielte konnte durch unsere Platzordner nicht vermieden werden, dass das sowieso schon aufgeregt Publikum dem Gastspieler einige verabreichte. Der Streit wurde aber sofort von unseren Spielern geschlichtet…..“
Das Spiel wurde übrigens fortgesetzt und unser Spieler wurde des Feldes verwiesen.
02.10.1946 Verbandsspiel 1. Mannschaft Schmidmühlen-Amberg
Zu erwähnen ist im Vorfeld, dass das Spiel aufgrund des Vorspiels der Jugend statt um 14:00 h erst um 14.10 Uhr begonnen hatte
„…Halbzeitstand 2:2. Wegen der schlechten Zugverbindung einigten sich die beiden Spielführer ohne normale Pausenunterbrechung das Spiel fortzusetzen. Abgesehen davon Tätlichkeiten, z. B. das Spieler Blank H., Rechtsaussen von Schmidmühlen, wegen nichts vom Amberger Verteidiger einen Schlag ins Gesicht erhielt, verlief das Spiel im allgemeinen normal. Der Schiedsrichter Koch wurde jedoch von seiten des Schmidmühlener Spielführers darauf aufmerksam gemacht, dass Tätlichkeiten sofort zu unterbinden sind. Aus unerklärlicher Weise, ohne vorherige Vereinbarung mit den Spielführern, pfiff Schiedsrichter Koch um 15.25 Uhr das Spiel ab und äußerte, die Amberger Mannschaft müsse zum Zug kommen. Als Fehlentscheidung fiel um 15.15 Uhr das 3:2 Siegtor für Amberg ….. Dazu ist zu erwähnen, dass der Zug erst um 16:10 Uhr fahrplanmäßig Schmidmühlen verlässt. Die Entfernung vom Bahnhof zum Sportplatz beträgt nur 5 Minuten. Auf Drängen, das Spiel fortzusetzen, pfiff der Schiedsrichter das Spiel nochmals an, um die fehlenden 10 Minuten durchzuführen, was jedoch die Amberger Mannschaft verneinte und abtrat…“
Unterschrieben wurde dieser Brief von Flierl, Roidl, Rubenbauer, Zanner, Weixelgartner, Dantl Max, Donhauser und Nowak.
03.11.1946 Verbandsspiel Nabburg-Schmidmühlen
Zu erwähnen ist im Vorfeld, dass Nabburg mit 3:0 führte ehe Schmidmühlen bis auf 3:2 aufholte.
„…Sofort, 30 Sekunden nach dem Stande von 3:2, unter dauerndem Drängen der Schmidmühlener Mannschaft wurde durch den Mittelstürmer das 3:3 erzielt. Bei diesem Spielstand nahm das Spiel eine außerordentliche Härte an. So kam es, dass der rechte Mittelläufer der Schmidmühlener Läufer Hummel mit dem Rechtsaussen zusammenstieß und sich während des Sturzes an dem Nabburger Spieler festhielt, ohne irgendeine Absicht zur Tätlichkeit zu geben. Daraufhin stürzte sich sofort das Publikum in Stärke von ca. 50 Mann in den Platz und versuchten den Spieler Hummel zu lynchen. Hummel wurde jedoch von seiten der Schmidmühlener Spieler in Schutz genommen. So gab es einige Debatten hin und her…“
In den Jahren 1947 und 1948 spendete der Sportverein Eintracht Schmidmühlen trotz seiner schlechten finanziellen Lage jeweils rund 120 RM zu Gunsten der Schulkinderspeisung in Schmidmühlen. Dies war zur damaligen Zeit sicherlich eine großartige Leistung. Ebenso konnte man den Bittstellern des VdK Ortsverbands und des Bayerischen Gewerkschaftsbundes entgegenkommen und spendete an diese die Einnahmen aus dem Spiel SV Schmidmühlen II - SV Luitpoldhöhe II von rund 120 RM zu je 50 % an diese Organisationen.
Im Jahre 1946
Punktespiel-Ergebnisse des SV Eintracht Schmidmühlen
Saison 1946 II. Liga 3. Bezirk, Gruppe IV
Datum ? SpVgg Nabburg SV Schmidmühlen 3:1
Datum ? SV Schmidmühlen SV Ponholz 0:5
Datum ? SV Leonberg SV Schmidmühlen 4:1
Datum ? SV Schmidmühlen FC Schwandorf II 0:5
Datum ? SV Schmidmühlen SV Teublitz 1:8
Datum ? SV Schmidmühlen FC Schwarzenfeld 0:8
Datum ? SV Schmidmühlen TuS Amberg II 0:7
07.07.46 SV Schmidmühlen SpVgg Nabburg 4:5
21.07.46 SV . Schmidmühlen SV Leonberg 4:4
28.07.46 FC Schwandorf II SV Schmidmühlen 6:2
04.08.46 SV Teublitz SV Schmidmühlen 5:1
15.08.46 TSV Hirschau SV Schmidmühlen 14:1
18.08.46 SV Schmidmühlen ASV Burglengenfeld 5:2
25.08.46 TuS Amberg II SV Schmidmühlen 2:7
Auf neutralem Platz in Schwandorf:
01.09.46 SV Schmidmühlen gegen ASV Burglengenfeld 2:1
Besondere Vorkommnisse (Massenschlägerei) beim 5:2 in Schmidmühlen hatten das Sportgericht veranlasst, das Spiel auf neutralem Platz erneut anzusetzen. Burglengenfeld verlor dabei erneut und durch diese Niederlage sei¬ne Meisterschaftsaussichten. Meister wurde dadurch der Nachbarrivale SV Teublitz. Für Schmidmühlen hingegen hätte dieser Sieg den Klassenerhalt bedeutet. Schließlich gab es dann doch keinen Absteiger aus dieser II. Liga im 5. Bezirk Oberpfalz. Die Bildung einer III. Liga im 5. Bezirk war zwar für die Saison 1946/47 geplant, sie war jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu verwirklichen. Vielmehr teilte man dafür diese II. Liga im 3. Bezirk in zwei Gruppen Nord/Süd auf.
Weitere Spielergebnisse des SV Schmidmühlen aus dieser Saison konnte der Chronist nicht in Erfahrung bringen. Wurde die Eintracht in der ersten Nachkriegssaison auch mehrmals arg "gerupft", so brachte doch der Sieg gegen Burglengenfeld in Schwandorf Genugtuung für die ganze Saison. Noch schwärmen "die Alten" von diesem denkwürdigen Fußballereignis. "Fußball-Schmidmühlen" war damals mit allem was Räder hatte, nach Schwandorf gereist. Teublitzer "Gönner" zeigten sich später für die "Schützenhilfe" aus Schmidmühlen auch erkenntlich!
Tabelle der II. Liga 3. Bezirk, Saison 1946 vom 16.08.1946
1. Mannschaft
Tore Punkte
1. SpV Teublitz 75:42 29:13
2. FC Schwarzenfeld 50:33 27:13
3. ASV Burglengenfeld 59:24 26:12
4. FC Schwandorf II 58:47 24:16
5. TuS Schwandorf 43:32 22:16
6. SpV Leonberg 43:43 22:16
7. SpV Sulzb.-Rosenb. 63:56 21:17
8. TSV Hirschau 67:59 20:20
9. SpV Pirkensee-Ponh. 43:49 18:22
10. SpVgg Nabburg 65:59 17:23
11. TuS Amberg II 47:61 16:22
12. SV Schmidmühlen 28:94 7:33
13. SpV Wackersdorf 25:68 7:33
Abschlusstabelle 3. Bezirk, Saison 1946 vom 16.08.1946
Jugend
Tore Punkte
1. SpVgg Sulzb-Rosenb. 73:24 39:9
2. PC Schwarzenfeld 75:24 38:10
3. ASV Burglengenfeld 53:27 30:12
4. TuS Amberg 46:27 25:11
5. SpV Ponholz 51:41 24:18
6. SpV Nabburg 40:64 19:25
7. SpV Teublitz 45:39 18:22
8. SV Schmidmühlen 25:35 16:26
9. FC Schwandorf 29:44 15:25
10. FC Wackersdorf 27:40 15:25
11. SpV Hirschau 22:33 13:19
12. SpV Leonberg 34:62 12:36
13. TuS Schwandorf 14:61 10:36
Im Jahre 1947
Schmidmühlen verpflichtete erstmals einen Trainer
Ein Bericht von August Eichenseer
Die Vereinsführung bewies Mut und hatte wohl erkannt, dass der Mann¬schaft und dem inzwischen zahlreich vorhandenen Nachwuchs ein Fach¬mann als Trainer zur Seite stehen müsse. Es gelang schließlich, den erfahrenen Stürmer Jakob Schön vom FC Amberg dafür zu verpflichten.
Der „Schön Jackl" nahm im Juli 1947 seine Tätigkeit in Schmidmühlen auf. Er war zu diesem Zeitpunkt 30 Jahre alt und in Fußballkreisen kein „Unbekannter" mehr. Man versprach sich einiges von ihm und es steht fest, dass es mit dem Schmid-mühlner Fußball nun auch aufwärts ging. Training war zu dieser Zeit beim SV einmal wöchentlich am Freitag angesetzt. Im Sommer wurde auf dem Sportplatz, im Winter bei schlechtem Wetter in der Hal¬le trainiert. Dazu hatte man die „Hiasl-Hall", eine offene Tanzhal¬le aus Balken und Brettern, mit benachbarter Kegelbahn zur Verfüg¬ung. Diese befand sich am Hang oberhalb der „Kellerschänke" und den Bierkellern Espach und Schmid-Bräu. Besitzer war die Brauerei Schmid, Schmidmühlen.
Ein Informationsgespräch mit dem ehemaligen Trainer erbrachte Wis¬senswertes für die Chronik. Daraus nachfolgende Auszüge:
Zum Training fuhr Herr Schön mit dem Zug nach Schmidmühlen, nahm dabei vorsichtshalber stets sein Fahrrad mit. Man hielt nämlich zu dieser Zeit - nicht selten - sehr ausgedehnte Spielersitzungen ab. Der letzte Zug nach Amberg aber wartete nicht. So blieb meist das Fahrrad als „Retter" und dieses soll des Öfteren auch nicht mehr fahrtüchtig gewesen sein, so dass „Ross und Reiter" in Schmidmühlen übernachten mussten.
Ein gutes kameradschaftliches Verhältnis zur Vereinsführung und zu den Spielern bewogen Jakob Schön schließlich auch, bis zum Frühjahr 1949 in Schmidmühlen tätig zu sein. Während dieser Zeit errangen die Fußballer manchen überraschenden Erfolg gegen Mitkonkurrenten, so dass der SV Schmidmühlen mehr und mehr Beachtung fand. Das war es auch, was man sich gemeinsam zum Ziel gesetzt hatte. In diesem Zusammenhang erinnerte sich Jakob Schön an hervorragende und sehr disziplinierte Spieler, die der SV Eintracht Schmidmühlen damals in seinen Reihen hatte und mit denen ihm die Zusammenarbeit besondere Freude bereitet habe.
Das der Verein die Dienste eines Trainers nicht unentgeltlich in Anspruch nehmen konnte, ist einleuchtend. Aber nicht Geld spielte zu dieser Zeit eine Rolle, sondern Naturalien. Lebensmittel die sehr knapp waren und nur durch „Beziehungen" in ausreichendem Maße erworben werden konnten, das war auch des Trainers Lohn in Schmid¬mühlen. Für die inzwischen nahezu wertlose Reichs-Mark konnte man sich nur das Notwendigste kaufen, wenn dies überhaupt vorhanden war. Nach der Währungsreform (Juni 1948) wurde der Trainer teilweise auch schon mit harter D-Mark entlohnt, wobei ihm so mancher „Fünf-ziger" zugesteckt wurde. Alle diese Zuwendungen kamen jedoch nicht vom Verein, sondern ausnahmslos von Privatpersonen. Immer war und wird es Ziel von Gönnern sein, für „ihren Verein" das bestmögliche zu tun. Die Fairness gebietet dem Chronisten des¬halb, hier keine Namen zu nennen!
Aus den Vorstandssitzungen 1947:
Ausschusssitzung am 12. Mai 1947:
Die Umzäunung des Sportplatzes und das Anbringen von Sitzbänken wurde für den kommenden Sommer geplant. Eine Bestandsaufnahme über vorhand¬ene Geräte und Bekleidung war erforderlich.
Beschlossen wurde, dass Sporthemden und -hosen, sowie Fußballschuhe, die vom Verein beschafft wurden, von keinem Spieler käuflich erworben werden durften. Solche Gegenstände blieben Eigentum des Vereins.
Es wurde als erforderlich erachtet, zweimal wöchentlich zu trainieren. Nachfolger des bisherigen Mannschaftsführers Hans Blank war inzwi¬schen Georg Weixelgartner geworden.
Weiter kam es zur Bildung eines Ausschusses für die Mannschaftsauf¬stellung. Ihm gehörten an: Ludwig Ehrnsberger, Anton Rogg, Georg Roidl und Georg Weixelgartner.
Der Mitgliedsbeitrag wurde für Jugendliche unter 18 Jahren auf 0,50 und für Erwachsene auf 1,-RM monatlich festgesetzt.
Ausschusssitzung am 03. Juni 1947:
Im Rahmen einer "Flüchtlings-Hilfsaktion" wurden den Spielern Gerhard Kettner, Kurt Krause und Heinz Mansfeld, die Flüchtlinge waren, vom Vereinsausschuss je 10.-RM als Spende zugesprochen.
Inzwischen war Mannschaftsführer Weixelgartner zurückgetreten. Sein Nachfolger wurde Karl Wiesner.
Man kam auch überein, künftig für die Auswärtsspiele jeweils einen Reisebegleiter zu bestimmen. Er war für Disziplin und Ordnung, sowie für das Ausfüllen des Spielberichtsbogens verantwortlich. "Erst nach¬dem Spieler und Funktionäre auf dem Auto Platz genommen hatten", durf¬ten Zuschauer das Auto besteigen. Der Fahrpreis für Zuschauer betrug 1.-RM.
Für ein Auswahlspiel II. Liga Nord - II. Liga Süd, meldete der Verein der Bezirksspielleitung folgende Spieler: Braun Alois (Linker Verteidiger), Popp Jo¬sef (Torwart), Wiesner Karl (Rechter Läufer).
Ausschusssitzung am 10. Juli 1947:
Behandelt wurde der Rücktritt des Kassiers Josef Meier. Sein Nachfol¬ger wurde Anton Bruckmüller. Die Aufgaben des Platzwartes übernahm Heinrich Respondek - die des Tanzleiters Alois Fleischmann.
Bis zum Beginn der Herbstrunde im September musste der Sportplatz noch eingezäunt werden. Das notwendige Material war bereits beschafft wor¬den.
Die Meldung für die 1., 2. und Jugendmannschaft zu den Verbands- und
Pokalspielen der Saison 1947/48 war bereits erfolgt.
Es wurde noch bekannt gegeben, dass Herr Jakob Schön aus Amberg für ein¬mal wöchentlich als Trainer gewonnen werden konnte.
Der sportliche Bereich der Vorstandschaft setzte sich 1947 zusammen aus dem 1. Vorstand Leonhard Flierl, Spielleiter Georg Roidl, Trainer Albert Wiesbeck (ab Juli 1947 Schön Jakob), Ballwart Karl Wiesner und Platzwart Max Dantl bzw. Herr Zanner.
Im Jahre 1948 – Neuwahlen am laufenden Band
Am 28.April 1948 fand in der Kellerschänke der Brauerei „Schmid“ die alljährliche Generalversammlung statt. Nachdem 1. Vorstand Leonhard Flierl sein Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben mußte, 2. Vorstand Ludwig Ehrnsberger aus Schmidmühlen wegzog und somit seinen Austritt erklärte, waren Neuwahlen erforderlich geworden. Diese endeten mit folgendem Ergebnis: 1. Vorstand Hans Steinbauer, 2. Vorstand Hans Rösch, Kassier Heinrich Hummel, Schriftführer Baptist Kemmeter, Spielleiter Georg Roidl, Jugendleiter Georg Weixelgartner, Ballwart Karl Wiesner, Platzwart Heinrich Respondek.
Besprochen und erneut festgelegt wurden weiter die Aufgabenbereiche der einzelnen Funktionsinhaber. Im Wesentlichen wurde dabei jedoch auf bereits bestehende Richtlinien verwiesen, die in einer Ausschuss¬sitzung am 26. Juli 1946 festgelegt worden waren.
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Am 21. Juni 1948 trat eine "Währungsreform" in Kraft. Dadurch wurde die bis dahin als Zahlungsmittel geltende "Deutsche Reichsmark" un¬gültig. Als neues Zahlungsmittel wurde die "Deutsche Mark" festge¬setzt.
Um vorerst überhaupt in den Besitz der neuen Währung zu kommen, blieb es den Bürgern vorbehalten, bei der Gemeindeverwaltung das so genannte "Kopfgeld" in Höhe von 40.-DM pro Person als "Startkapital" im Ver¬hältnis 1:1 umzutauschen oder auch sonst zu beantragen und abzuholen. Das Kopfgeld brauchte nicht zurückgezahlt werden. Für Sparguthaben in "RM" und anderen Kapitalanlagen gab es unter bestimmten Voraussetz¬ungen stark abgewerteten "Ersatz" in neuer Währung.
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Erneute Mitgliederversammlung am 15. Juli 1948:
1. Vorstand Steinbauer (Pächter der Kellerschänke) erklärte seinen Rücktritt aus beruflichen Gründen. Sein Nachfolger wurde Leonhard Geißbauer. Jugendleiter Georg Weixelgartner trat ebenfalls zurück. Dieses Amt übernahm Heinrich Hummel. Infolgedessen wurde Herbert Belk Kassier. Alle anderen Funktionäre blieben im Amt.
Die Saison 1948/1949
Die eingesetzten Spieler in alphabetischer Reihenfolge, ohne Unterscheidung über die Anzahl ihrer Einsätze in der 1. bzw. 2. Mannschaft:
Blank Hans (TW), Braun Alois, Braun Ludwig, Donhauser Georg, Eckmeder Hans, Ehrnsberger Michl, Hofstetter Hermann, Holler Erwin, Popp Josef (TW), Schaller Michl, Schötz Hermann, Schwendner Ernst, Roggenhofer Karl, Walbert Wenzl, Wiesner Karl (Spielführer), Zirpel Horst (Winbuch).
Nach Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft spielten erstmals:
Artmann Franz, Buchta Konrad, Müller Kurt (Rieden), Wein Jos.(07/27).
Laufbahn beendet bzw. abgewandert (während oder nach der Saison):
Blank Hans, Eckmeder Hans, Ehrnsberger Michl, Hofstetter Hermann, Holler Erwin, Roggenhofer Karl, Walbert Wenzl, Weixelgärtner Georg.
Überwiegend in der Jugend-Mannschaft waren eingesetzt:
Braun Hans, Döberl Franz (TW), Dobler Johann, Eichenseer Hans, Eichhammer Xaver, Ferber Alois (Rieden), Gerstacker Alfred, Graf Hans, Grauvogl Alfred, Hauser Gustl (Rieden), Jäger Clemens, Mey¬er Alfons, Mühlhofer Leopold, Reindl Alfred, Renghart Josef, Schneider Helmut (TW), Schwendner Josef, Schweiger Fritz (Rieden), Spanner Otto. Hauser Gustl (Rieden), beendete zum Ende der Sai-son vorerst seine aktive Laufbahn.